(K)ein Abschied vom DAAD IC Eriwan


Eriwan, 15. Juni 2015. Es ist seltsam, dieses Abschiedsessen. Ich sitze mit meinen Kollegen im DAAD-Büro. Auf dem Tisch stehen armenische Süßwaren, dazu georgische Mitbringsel von der trinationalen Sommerschule „Stadt-Land-Fluss“ und große Teller voller Kirschen. Ich zeige meinen Kollegen die Broschüre „Lesend & schreibend erkundeten wir die Welt“, die ich mit meinem Hauslektüre-Kurs erstellt habe. Wir reden über das Uni-System in Armenien, die Zukunft und Vergangenheit. Drei Tage später werde ich Armenien verlassen. Zwölf Tage später werde ich zurückkehren.

Einerseits ist es ein Abschied, denn meine Sprachassistenz ist von nun an Geschichte. Zugleich aber ist es auch kein Abschied, denn nach meiner Rückkehr werde ich gemeinsam mit DAAD Lektor S. und der ehemaligen DAAD Sprachassistentin M. aus Ankara die armenisch-türkische Bloggerreise „Geschichten aus der Nachbarschaft“ organisieren. Im August 2015 werden dabei je 10 Teilnehmer aus Armenien und der Türkei das jeweilige Nachbarland besuchen und die dortige Medienlandschaft erkunden. Gemeinsam werden sie sich mit Interviewtechniken und Oral History vertraut machen, um dann in Teams eigene Miniprojekte umzusetzen.

Die Idee zu den „Geschichten aus der Nachbarschaft“ entstand noch während meiner Sprachassistenz. Den entsprechenden Blog http://nachbarschaft.orient-netzwerk.de riefen M. und ich im Sommersemester 2015 ins Leben. Seither bloggen dort Studenten aus Armenien und der Türkei über ihren Alltag. Dank der Förderung des Auswärtigen Amtes wird aus ihrem digitalen Austausch nun eine ganz reale Begegnung in Ankara, der Osttürkei und Eriwan. Auf diese Erfahrung freue ich mich.

Und zugleich möchte ich mich vom Sprachassistenz-Blog verabschieden.

Meine Texte und Fotografien finden Sie in Zukunft unter: http://www.wiebkezollmann.de

Alles über die Bloggerreise lesen Sie unter: http://nachbarschaft.orient-netzwerk.de – wir freuen uns auf Ihre Kommentare.


15 Studenten, 3 Länder, 1 Abenteuer: Abschließende Blogeinträge der trinationalen DAAD Sommerschule jetzt online


Vom 5. bis 14. Juni 2015 hatte ich die Ehre, die trinationale DAAD Sommerschule „Stadt-Land-Fluss – nachhaltig aktiv gestalten“ in Georgien zu begleiten. Gemeinsam erkundeten 15 Studenten aus Armenien, Aserbaidschan und Georgien die Themenwelten Umwelt, Stadtplanung und nachhaltiger Tourismus in Tbilisi, Aragvi, Telavi, Signaghi, Dedoplistskaro und David Gareja.

Wem gehört der öffentliche Raum? Wie schützen wir unsere Umwelt? Wie funktioniert nachhaltiger Tourismus? Und was bedeutet es, wenn plötzlich Armenier, Aserbaidschaner und Georgier im selben, nämlich in einem Rafting-Boot sitzen und durchs Wildwasser rasen?

Die Antworten der Studenten lesen Sie unter: http://arazge.wordpress.com/


Ein Funken Hoffnung. Eine DAAD Erfolgsgeschichte


Als ihre schriftliche Bachelor-Arbeit anstand, fasste sich S. ein Herz. Sie beschloss, ihre Arbeit bei einem DAAD Langzeitdozenten zu schreiben und nicht wie ihre Kommilitonen bei einem der armenischen Dozenten. 

Eine Bachelor-Arbeit bei einem deutschen Professor (der normalerweise nur Master- und Promotionsstudenten betreute) – das stellte S. vor eine immense Herausforderung: Sie musste auf Deutsch eine wissenschaftliche Arbeit verfassen, die deutschen akademischen Standards entsprach.

Eine Aufgabe, die für viele ihrer Kommilitonen, seien wir ehrlich, unmöglich zu erfüllen wäre.
S. aber las, schrieb und bestand.

Ihr erstes Master-Semester verbrachte sie anschließend im Rahmen der vom DAAD geförderten germanistischen Institutspartnerschaft (GIP) an der Marthin-Luther Universität in Halle (Saale). So unterschiedlich das armenische und deutsche Universitätssystem auch sein mögen, S. konnte den Kursen in Halle problemlos folgen. Auch ihre schriftlichen Arbeiten waren keinen Deut schlechter als die der deutschen Kommilitonen. Und das aus einem einfachen Grund: S. hatte schon in Armenien gelernt, wie wissenschaftliches Arbeiten international funktioniert.

Als ich im vergangenen Semester im 3. Bachelor-Jahr wissenschaftliches Schreiben unterrichtete, fragt ich mich zuweilen: ›Wozu nützt das alles? Ich lehre, wie wir in Deutschland arbeiten, aber die armenische Realität ist davon Lichtjahre entfernt. Ehrlich gesagt: Das Wissen, das ich vermittle, ist für meine armenischen Studenten komplett nutzlos. Um ihr Studium hier erfolgreich abzuschließen, müssen sie letztlich armenische Standards erfüllen, keine deutschen.‹

Umso dankbarer war ich, als S. mir von ihren Erfahrungen in Deutschland erzählte. S.s Geschichte hat mir gezeigt, weshalb die Arbeit des DAAD eben doch extrem sinnvoll sein kann. 

Seit dem Sommersemester 2015 ist S. nun zurück in Armenien. In meinem Übersetzungskurs hat sie Auszüge aus Vahram Martirosyan »Dummkopf« aus dem Armenischen ins Deutsche übersetzt (sic!). Dabei würden selbst viele deutsche Muttersprachler die Schön- und Gewandtheit ihrer Sprache nur mit Mühe erreichen. Aus dem Deutschen ins Armenische übersetzt S. nebenbei Annette Pehnt, einfach als Zusatzaufgabe einer armenischen Dozentin für Literaturübersetzen. Als S. mir eine dieser Kurzgeschichten zeigte, stand auch ich als Muttersprachlerin, Autorin und eingefleischte Spracharbeiterin vor so manchem Rätsel.

Für die Zeit nach ihrem Master-Abschluss 2016 sucht S. derzeit nach Weiterbildungsprogrammen in Deutschland. Das Internationale Parlaments-Stipendium gefällt ihr. Dieses Programm ist ein Angebot des Deutschen Bundestags in Kooperation mit der Humboldt-Universität zu Berlin, der Freien Universität Berlin und der Technischen Universität Berlin. Gern würde S. währenddessen für 15 Wochen im Büro eines grünen Bundestagsabgeordneten arbeiten: »Umweltschutz ist etwas, das mich extrem bewegt. Und ein Bereich, den wir auch in Armenien dringend ausbauen müssen.«

Für S. hat der DAAD mit deutschen Lehrkräften in Eriwan und ihrem GIP-Stipendium die Tür nach Deutschland und in die deutsche Wissenschaft geöffnet. Und wer weiß, vielleicht öffnet sich auch noch eine Tür in die Politik und die Bewahrung unserer Umwelt.


„sehensfürdichkeit“


Neues aus dem Lektorat:

„sehensfürdichkeit“

Es tut mir im Herzen weh, dieses Wort zu eliminieren.


Textile Welten


Textile Welten

»Gibt es eine süße Wolle, die Kinder essen?«
»Zuckerwatte.«